Gehörlos. Na und ?

Kommunikative Pannen zwischen Gehörlosen, Schwerhörigen, Ertaubten und Hörenden

Was Sie daraus für Ihre eigene Kommunikation lernen können

Autorin: Judith Harter

Die Autorin Judith Harter, selbst gehörlos und Mitinhaberin einer Lippenleser-Agentur, hat Texte von 15 hörgeschädigten Bloggern zusammengetragen. Diese kleinen Erzählungen sind kurz und sehr unterschiedlich. Sie berichten von alltäglichen „Kommunikationspannen“, aber es sind auch besondere Erlebnisse dabei.

Die Kurzgeschichten zeigen u.a. dass Missverständnisse unerfreulich und peinlich sein können, es aber das Eis bricht wenn man nach Aufklärung darüber gemeinsam lachen kann. Dass ein dem Dozenten angestecktes Minimikrophon einen zum Spion machen kann. Dass von den Lippen absehen können bei hohem Lärmpegel große Vorteile hat. Dass man Hörgeräte nicht beim Rasenmähen verlieren sollte. Sie erzählen davon was ein Blitzlichtweckeralarm mit einem Gut- Hörenden machen kann. Dass man sich als Hörgeschädigter bei der Arbeitssuche durch gut gemeinte Fehleinschätzung auch mal in einer Werkstatt für Behinderte wiederfinden kann. Und wie man im höflich-ruhigen Japan bei einer Busfahrt durch ein laut geführtes Gespräch mit einem schwerhörigen Einheimischen Freunde gewinnt.

Nicht zuletzt ergab sich für die einzige Co-Autorin mit CI bei der Lieferung eines Zubehörpaketes ein spontanes Beratungsgespräch mit dem DHL-Boten.

Mein ganz persönliches Fazit: Manches kommt mir als CI-Trägerin bekannt vor, anderes bleibt mir fremd. Das liegt möglicherweise an der Auswahl der Texter, die überwiegend gehörlos und nicht nur in der Lautsprache sondern auch in der Gebärdensprache zu Hause sind. Die Herausforderungen die die Autoren in ihren Texten meistern müssen spiegeln deshalb die Unterschiedlichkeit ( nicht nur im Kommunizieren ) von uns Hörgeschädigten wieder. Darum wird sich sicherlich jeder in mindestens einer der geschilderten Situationen wiedererkennen.

Im Sinne der dritten Titelzeile nehme ich mit dass es manches leichter macht wenn man über sich selbst lachen kann. Und dass es immer gut ist einander zuzuhören und voneinander zu lernen und dabei auch mal über den eigenen „Tellerrand“ schaut.

Das Buch kostet ca. 7,50€, ich konnte es nur über Amazon bestellen.
Christine Oldenburg


Anmerkung: Im Buch wird das Büchlein „Der weiße Neger Wumbaba“ kurz vorgestellt, zum Thema „falsch Verstehen“. Dazu mein zweiter Newsletterbeitrag.