Mein Weg zum CI

Mein Weg zum CI

Mein Weg zum CI

1970, meine Eltern wurden mit einer Zwillingsgeburt überrascht. Vorsorgeuntersuchungen
entsprachen nicht den heutigen Standards. Als ungeplante Zweitgeborene, hatte ich dennoch noch
großes Glück. Im Vergleich zu meiner normal hörenden Zwillingsschwester wurde schnell allen
klar, dass mit mir etwas nicht stimmte: Vom Sauerstoffmangel unter der Geburt trug ich „nur“ einen
massiven Hörschaden davon.

Meine Mutter war schon früh mit mir unterwegs, um den Hörschaden diagnostizieren zu lassen,
aber vergebens. Bei diversen Hörtests musste ich Klötze, etc. bewegen, dass passte wohl in deren
“Hörschema”. Immer wieder die Antwort: “Ihr Kind hört, was wollen sie denn?” Meine Mutter
blieb hartnäckig, als ca. 1975/76 die hochgradige Schwerhörigkeit festgestellt wurde.

Schule

Endlich wurde ich beidseits mit Hörgeräten versorgt, bekam Sprachunterricht. Das Jahr vor der
Einschulung war ich in der Vorschule in der nächsten Kreisstadt. Für meine Mutter hieß das: jeden
Tag 25 km dorthin zu fahren, den Vormittag dort zu verbringen und wieder nach Hause.
Kurz vor meinem 7. Geburtstag wurde ich in eine Regelgrundschule in unserer Nachbarschaft
eingeschult. Mit meiner Schwester an meiner Seite haben wir 13 Jahre jede Unterrichtsstunde
gemeinsam verbracht. Das Nichtverstandene wurde zu Hause aufgearbeitet. Meine Schwester war
deutlich besser in der Schule, was meiner Mutter und mir manchmal weh tat. Ich hatte doch so viel
getan,….1990 hielten wir glücklich unsere Abiturzeugnisse in der Händen.

Ausbildung

Hier trennten sich unsere Wege. Für eine Krankenpflegeausbildung verließ ich die Heimat, meine
Schwester blieb zu Hause und machte eine Banklehre. Meine Ausbildung war hörtechnisch eine
Herausforderung, aber ich hatte immer tolle Kollegen an meiner Seite. Telefonieren (ich hasse es
noch heute) musste ich nur, wenn es sich nicht vermeiden ließ und dann mit Hörverstärker, den ich
in meiner Kitteltasche dabei hatte.
Die Ausbildung beendete ich trotz meiner Schwierigkeiten mit gutem Erfolg und übe den Beruf
auch heute noch gerne als HNO-Schwester in Hannover aus. Teils noch mit den gleichen Kollegen
von damals. Sie unterstützen mich zu 100% in meiner Hörbehinderung. Seid der Geburt unser
Tochter arbeite ich Teilzeit, vorwiegend im Nachtdienst. Die Station beinhaltet 4
Überwachungsplätze, so dass wir nachts zu zweit arbeiten. Der Nachtdienst erwies sich aufgrund
des Hörstress im Tagesbetrieb als ideale Lösung für mich und ich liebe diese Arbeitszeit.

CI-Implantation

2012 erfuhr ich das erste Mal etwas von und über Cochlearimplantate. Für mich damals noch keine
Option, ich hörte meiner Meinung nach genug mit den HG. Ich wusste als Krankenschwester auch
um die möglichen Risiken einer OP. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich meine 12(!) Jahre alten,
analogen HG durch moderne, digitale ersetzen.

Interview mit Norma Gänger (Beisitzerin)

Interview mit Norma Gänger (Beisitzerin)

Interview mit Norma Gänger (Beisitzerin)

Ein paar Eckdaten zu deiner Person:

Wahlheimat und Wohnort: Bremen
Beruf: Personalcontrolling im öffentlichen Dienst der Freien Hansestadt Bremen
Hörstatus: Glücklich mit zwei CIs.
Ehrenämter:

  • Leitung von Deaf Ohr Alive Bremen (Veranstaltungen für junge, hörgeschädigte Erwachsene in Bremen und umzu)
  • Beisitzerin im Vorstand des CIVN
  • CI Scout (EU-Projekt der DCIG)

Hobbys: Tennis, Joggen, Lesen, Reisen, Bloggen

Wenn du eine berühmte Persönlichkeit treffen dürftest, wer wäre es und warum?

Ich hätte absolut nichts dagegen, den sympathischen Tennisprofi Novak Đoković persönlich kennenzulernen und vielleicht sogar ein Mixed mit ihm zu spielen. 🙂

Wenn du eine Sache auf der Welt verändern dürftest, was wäre das und warum?

Die Woche sollte aus 4 Arbeits- und 3 Wochenendtagen bestehen. 🙂

Auf was könntest du in deinem Leben nicht verzichten?

Auf Sport. Er macht den Kopf frei und den Körper leicht. Mit einer gewissen Fitness lässt sich der Alltag viel besser bewältigen.

Gibt es ein Geräusch das du am liebsten niemals hören würdest oder gehört hast?

Manchmal nerven mich unangenehme Geräusche (z. B. Schmatzen beim Essen), aber gleichzeitig denke ich auch, dass sie etwas ganz normales sind und ich dafür dankbar sein kann, diese überhaupt zu hören. Mehr oder weniger jedenfalls. 😉

Was macht dir an deinem Ehrenamt besonders Spaß und warum?

Die Junge Selbsthilfe der DCIG hat mir sehr viel gegeben: Wunderbare neue Freunde und mehr Selbstbewusstsein für alle möglichen Lebenssituationen. Hierfür möchte ich mich revanchieren, indem ich mich selber für andere stark mache. Außerdem ist es eine schöne Bestätigung, wenn sich über von mir organisierte Treffen junge Erwachsene ganz entspannt austauschen, dabei viel lachen und gar selber neue Freundschaften schließen. Das motiviert mich weiterzumachen.

Was ist dein nächstes Projekt?

Zurzeit befinde ich mich in einer dreijährigen, berufsbegleitenden Fortbildung zur Verwaltungsfachwirtin. Nach Abschluss dieser werde ich mich wieder mehr meinen Reisezielen und sportlichen Herausforderungen widmen. Zudem will ich mich dann verstärkt in der Jungen Selbsthilfe einbringen.

Hast du noch eine Lebensweisheit für uns?

Mal auf Reisen gesehen und ging mir nicht mehr aus dem Kopf: Verändere die Welt mit deinem Lächeln und lass nicht die Welt dein Lächeln verändern.

Der stille Koog

Der stille Koog

“Der stille Koog” von Ilka Dick – eine Rezension von Ulrich Stenzel

Regionalkrimis sind schwierig zu besprechen. Bei allem wünschenwerten Lokalkolorit weisen sie große Qualitätsunterschiede auf. Wird die Handlung stimmig erzählt, sind die Handlungsstränge geschickt miteinander verknüpft, wirken die Personen wie Holzfiguren oder werden sie plastisch beschrieben? Der hier anzuzeigende Kriminalroman weckt Aufmerksamkeit, weil die zentrale Figur, die Kriminalkommissarin Marlene Louven, nach einer Erkrankung ertaubte und jetzt zwei CIs trägt. Damit wird gleich auf den ersten Seiten der Takt angeschlagen. Herauskatapultiert aus dem vertrauten Hören muss sie sich mit dem Nichthören und dem Hören mit CI herumschlagen. Diese besondere Note macht den Krimi reizvoll. Schon allein aus dem Grund greift man neugierig zu dem Krimi und verschenkt ihn gerne in seine Umgebung. Doch diese Figur alleine rechtfertigt nicht, von einem besonderen Krimi zu sprechen. Die Qualität muss stimmen.

In dem Krimi ist Louven nicht im Dienst. Sie ist wegen ihrer Ertaubung vorerst dienstunfähig. Um nicht einfach Trübsal zu blasen, fährt sie zu ihrer Schwester an die Westküste. Prompt gerät sie in einen Mordfall, was nicht erstaunt. Schließlich ist der Krimi der rote Faden, der durch das Buch führt. Die Hör- oder Nichthörerlebnisse von Marlene Louven werden drumherum gestrickt. Sie kämpft mit ihrer Ertaubung, sie muss sich an das CI gewöhnen, mit dem die Musik sich so anders scheußlich anhört. Und überdies hört sie mit dem CI nicht optimal. Eindrücklich führt die Verfasserin den Lesern das vor Auge, wenn sie die gesprochene Sprache so darstellt, wie sie bei Louven ankommt, z.B.: „Sprechen wegen….kam keiner…Tür…brannte ja Licht…“ Louven müht sich ab, aus dem wenigen Gehörten eine sinnvolle Aussage zu machen. Sie scheitert immer wieder. Nicht aufgeben heißt hier die Devise. Sie schafft es auch dank ihrer Schwester und einigen anderen Personen, die ihr Verständnis entgegenbringt. Mangelndes Verständnis von anderen wird auch geschildert. Kurzum, Marlene Louven durchläuft alle Phasen der Freude und der Verzweiflung.

Die Lösung des Kriminalfalls ergibt sich am Ende. Eine Lösung für das Hören ergibt sich nicht. So wird ein Happy End vermieden, das völlig unrealistisch wäre. Das ist das Charmante an dem Krimi: er ist flott und gut erzählt, die Handlungsstränge passen zusammen. Und die Personen repräsentieren zwar bestimmte Typen, sind aber nicht holzschnittartig in die Landschaft gestellt. Der Leser bleibt dran und wünscht sich vielleicht mehr Informatonen zur Hörsituation von Louven. Aber das ist die Frage, wieviel CI-Hören und wieviel Krimi die gute Mischung ausmachen.

Kurzum, es lohnt sich. Ich selber habe ihn einige Male verschenkt. Auch solche, die nicht unbedingt zu Regionalkrimis greifen, weil sie oft schlecht geschrieben sind, waren von dem Krimi „Der stille Koog“ angetan.

Ilka Dick, Der stille Koog. Küsten Krimi. Köln : Emons Verlag, 2019. ISBN 978-3-7408-0503-6

Workshop „Klangwelt hautnah erleben“ am 10.08.2019, Workshop 2

Workshop „Klangwelt hautnah erleben“ am 10.08.2019, Workshop 2

 

Workshop Klangwelt hautnah erleben“ am 10.08.2019, Workshop 2

 

 

 

Von der CI-Selbstgruppe aus Bremen bzw. von Katrin Haake bekam ich eine Mail, dass der Cochlear Implantat Verband Nord e.V ein Hörtrainingsangebot mit Musik und Bewegung für CI-Träger*innen jeden Alters veranstaltet. Herr Dipl.-Päd. Sascha Roder M. A. leitet das Projekt und führt diese Workshops durch. Im Anhang befand sich der entsprechende Flyer zu den verschiedenen Workshops. Ich entschied mich für das Hörtrainingsworkshop 10. August 2019, Workshop 2. Das Thema war Instrumentenerleben bei Streichern, mit Blechblas- und Holzinstrumenten. Die Schwerpunkte waren die Präsentation der einzelnen Musikinstrumente, die Kombination mehrerer Instrumente – vom Duett bis zum Quartett und zuletzt das Raumklang-Erleben mit verschiedenen Spielstationen – eine Musikreise unter anderem mit Werken von Ennio Morricone.

 

Am 10.08.2019 traf ich mich mit Katrin und Elmar Haake am Bremer Bahnhof, um mit den Zug nach Hamburg weiter zu fahren. Danach fuhren wir mit der S-Bahn nach Altona. Von dort aus gingen wir zu Fuß zum Stage School Hamburg. An dieser Schule fand der Hörtrainingsworkshop „Klangwelt hautnah erleben“ statt.

 

Der Start

 

Als wir eintrafen, hat Matthias Schulz (Vorsitzender vom CIVN Hamburg), der den Workshop organisiert hat, uns sehr nett empfangen. Wir plauderten noch eine Weile mit den anderen CI-Trägern. Wir stellten uns auch gegenseitig vor. In den sogenannten Seminarraum konnten wir nicht sofort rein, weil die Musiker extra für uns geprobt haben.

 

Nach der Probe durften wir den Raum betreten. Jeder nahm mit voller Spannung Platz. Matthias Schulz stellte Herrn Dipl.-Päd. Sascha Roder vor und erzählte uns, dass er Herr Roder für diesen Workshop gewinnen konnte und das die Workshops von der Krankenkasse IKK und dem CI-Hersteller Cochlear gefördert wurde. Herr Roder ist Sonderpädagoge und Soziologe. Seit einigen Jahren führt er in Zusammenarbeit mit dem HNO-Uniklinik Frankfurt unterschiedliche Musikprojekte für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung. Herr Roder möchte gern, dass die CI-Träger*innen sich trauen, die Musik wahrzunehmen. So begleitete er uns durch die schöne Klangwelt.

alle spielen die Instrumente..

Der Workshop war in drei Modulen bzw. in drei Themen aufgeteilt, so dass zwischen Modulen eine Pause war, die sehr wichtig und auch notwendig war für die CI-Ohren.  Denn in den Modulen haben wir sehr viel über die verschiedenen Instrumente wie Querflöte, Violine, Bratsche, Cello und Trompete kennengelernt. Aus den Instrumenten kamen auch verschiedene Töne raus, die wir erspüren sollten.

 

Teil 1

 

Die Musiker waren auch sehr aktiv dabei und haben spielerisch uns die Instrumente gezeigt und vorgespielt. Wir konnten auch die Musik spüren, weil ein Musiker einem CI-Träger das Cello an die Brust gelegt hatte. Der CI-Träger spürte den Ton auf der Brust. Es war sehr emotional.

 

Es wurden verschiedene Musikstücke mit den Instrumenten vorgespielt und wir durften auch durch den Raum gehen und die Musik aus verschiedenen Perspektiven anhören. So wie es jeder für sich am angenehmsten empfand. Dabei stellte man fest, dass man das Cello überhaupt nicht mochte, weil das Instrument störend gehört hatte und wie es eine Teilnehmerin nannte, an die Schilddrüse ging. Es war in meinem Sinn auch echt nervig.

 

Teil 2

 

Dann sagte Herr Roder zu dem Musiker, er möchte doch mal bitte beim gleichen Stück nicht mitspielen. Die anderen Musiker hatten Probleme, ohne den Musiker am Cello zu spielen. Aber irgendwie funktionierte es dann doch noch und es klang unerwartet nicht mehr schön, dass Musikstück. Es war anders und komisch. So erklärten die Spieler uns, dass es wichtig ist ein nerviges Instrument dabei zu haben. Aber der Komponist hat es auch so gewollt, dass der Cello mit am Musikstück beteiligt ist .Ja, es war wirklich nachher nachvollziehbar, warum der Cello mitwirken muss.

alle hören aufmerksam zu!

Teil 3

 

Nach der verdienten Pause durften wir aussuchen, wie wir die Musik wahrnehmen wollten. Mitten im Raum auf einem Stuhl setzen oder hinter einander aufgestellt wie eine Schlange. Der erste an der Schlange wurde von Herrn Roder an die Hand genommen und durch den Raum mit geschlossenen Augen geführt. So konnten wir die Musik mit geschlossenen Augen wahrnehmen. Es war sehr interessant. wie ähnlich die Instrumente geklungen haben, obwohl es unterschiedlichen Instrumente waren. die Musiker standen mit ihren Instrumenten in dem Raum verteilt und jeder machte dann Musik. Nicht alle zusammen, sondern einzeln.

 

Wir konnten auch immer wieder Fragen an Herrn Roder, an die Musiker oder an Herrn Schulz stellen und die Fragen sehr nett beantwortet, so dass man zufrieden den Workshop verlassen konnte.

 

Ich bin auch sehr traurig, dass ich es leider nicht geschafft habe, mich für den nächsten Workshop „Bewegen nach Musik“, der am nächsten Tag. 11.08.2019 stattfand, anzumelden.

 

Nun hoffe ich sehr, dass es noch öfters solche Workshops angeboten werden. Ich finde auch, dass es für alle CI-Träger*innen angesprochen werden sollten und nicht nur, die am Anfang stehen. Auch die Älteren können so Zugang zur Musikwelt bekommen.

 

Ich hatte auch eine andere Musikveranstaltung für CI-Träger besucht und das war mir nicht so intensiv wie dieser Workshop „Klangwelt hautnah erleben“.

 

Verena Moriske

 

Hinweis: Dieser Workshop wurde unterstützt von der IKK und der Firma Cochlear

 

„Klangwelten hautnah erleben“

„Klangwelten hautnah erleben“

„Klangwelten hautnah erleben“

Ein Hörtrainingsangebot mit Musik und Bewegung für CI-Träger:innen

Der Hörtrainings-Workshop am 10.08.2019 in Hamburg wurde geplant und durchgeführt von Dipl.-Päd. Sascha Roder (M.A.).

Veranstalter war der Cochlea Implantat Verband Nord e.V.

Lag noch vor wenigen Jahren der Schwerpunkt des Neuen Hörens mit einem Cochlea Implantat auf dem Verstehen von Sprache, so möchten viele CI-Träger:innen heutzutage auch wieder Musik hören und wenn möglich genießen können.

Einen Zugang dazu möchte Sascha Roder mit seinem Workshop „Klangwelten hautnah erleben“anbieten. Für sein Projekt hat er professionelle Musiker:innen aus Hamburg mitgebracht.

Im Gepäck hatten sie Geige, Bratsche, Querflöte, Cello und Trompete. Ihre Instrumente haben die Musiker in Teil I des Workshops beschrieben und z.T. hautnah vorgestellt. Beispielsweise konnten sich die Teilnehmer den Korpus eines Cellos auf die Brust legen lassen und am eigenen Körper die Musik spüren, wenn der Musiker seinen Bogen über die Saiten streicht.

Das ist auch eine Besonderheit dieses Workshops. Der Zuhörer nähert sich der Musik mit mehreren Sinnen. Unser Gehirn hat nämlich eine jeweils andere Hörerwartung, je nachdem, ob wir sehen, wie der Cellist seinen Bogen über die Saiten führt, ob er sie mit einem Finger zupft oder mit mehreren Fingern ganze Akkorde erklingen lässt.

Musik ist mehr als nur Hören – der Mensch hört Musik auch mit den anderen Sinnen

Wenn die Musiker den Aufbau ihrer Instrumente beschreiben und damit ihre klanglichen Möglichkeiten darstellen, ist dies für den Zuhörer ein erster Schritt zum Musikverständnis. Bei der Geige wurde genau gezeigt, wie ein Ton zustande kommt, es wurde demonstriert, wie sich ein tiefer und ein hoher Ton anhört und dass die Geige leise und laute Töne spielen kann.

Flöten sind die ältesten erhaltenen Musikinstrumente der Menschheit. Schon vor 35.000 Jahren schnitzte der Mensch Flöten aus den Flügelknochen von Gänsegeiern. Diese waren hohl, und er brauchte sie nur noch mit Tonlöchern zu versehen. Heute wird die Querflöte bei schnellen Passagen im Orchester eingesetzt. Die Piccoloflöte liegt von Tönhöhe und Lautstärke auch im großen Orchester über allen anderen Instrumenten. Das ist auch der Grund dafür, dass auch Musiker:innen manchmal Gehörschutz benötigen, um sich vor Hörschäden zu schützen.

Musiker und CI-Träger:innen haben etwas gemeinsam – sie müssen viel üben und brauchen einen langen Atem

Bei der Beschreibung der Trompete konnte man erleben, wie allein der Einsatz von unterschiedlichen Hilfsmitteln aus Metall, sogenannten Dämpfern, den Klang verändern kann. Und zwar so stark, dass der geübte Hörer auch bestimmte Musiker daran erkennen kann.

Der Trompeter hatte auch eine schöne Geschichte im Gepäck, wie mühsam es ist, dieses Instrument zu erlernen. Das Üben bedeutet seiner Meinung nach viel Arbeit, es gibt Verzweiflung und Frust. Ganz wichtig beim Erlernen eines Instruments sollte eine entspannte Herangehensweise sein. Verkrampfung und Ungeduld bringen einen hier nicht weiter.

An dieser Stelle drängte sich einigen Zuhörern der Vergleich zum neuen Hören lernen mit einem CI auf. Genau wie Musiker müssen sie viel üben und eine große Ausdauer haben.

Teil II des Workshops: Instrumentengruppen

Mit den Instrumenten und ihrem Klang vertraut, können die erzeugten Töne nun leichter einzelnen Instrumenten zugeordnet werden. Das hilft dabei, diese voneinander zu unterscheiden, wenn sie gleichzeitig gespielt werden.

Musikgruppe erleben

Zunächst kamen immer zwei Instrumente zum Einsatz, z.B. 2 Violinen oder Trompete und Querflöte. Diese spielten Melodien, die schon im ersten Teil genutzt wurden, hier die Pink Panther–Melodie.

Das Heraushören von drei gleichzeitig gespielten Instrumenten stellt für das CI eine große Herausforderung dar. Einzelne werden evtl. gar nicht wahrgenommen. Der tiefe Klang des Cellos wurde meist gut gehört.

Für eine Aufführung mit 2 Geigen, einer Bratsche und einem Cello verwendeten die Musiker ein Stück von Karl Jenkins, das 1996 veröffentlicht wurde und „Palladio“heißt. Die Musik ist sehr dynamisch und auch wenn CI-Träger:innen gar nicht alle Instrumente gleichzeitig hören konnten, haben die meisten das Stück doch als sehr schön empfunden.

Sascha Roder: „Musik ist mehr als Hören.“

Über das gleichzeitige Sehen der Musiker beim Musizieren mit ihren schönen Instrumenten entstehen weitere Empfindungen beim Hören der Musik.

Teil III des Workshops: Das Raumklang-Erleben

Auch der Guthörende muss sich bei einem neuen Musikstück erst einhören

Für diesen Teil des Workshops verteilten sich die Musiker auf den Stirnseiten des sehr großen Raums, der ansonsten für Tanzveranstaltungen genutzt wird.

Herr Roder führte nun die Teilnehmer, die die Augen schließen sollten/durften, langsam durch den Raum und an den Spielstationen vorbei.

Die Musiker spielten abwechselnd jetzt schon bekannte Melodiesequenzen auf ihren Instrumenten. Die Klänge kamen aus verschiedenen Ecken des Raumes.

Das Raumklang-Erleben konnte die Wahrnehmung der Musik noch einmal steigern. Dazu trug sicherlich die sichere Führung durch den Raum und die größere Konzentration dank geschlossener Augen bei.

Das über den Tag gesammelte Vorwissen über die Instrumente und die Musikstücke aber war die Voraussetzung für diesen Hörerfolg.

Anmerkung: Dieser „Versuchsaufbau“ ist für fortgeschrittene Hörer eine prima Möglichkeit, das Richtungshören zu üben.

Zusammenfassung:

Die überaus gelungene Veranstaltung hat CI-Träger:innen viele Möglichkeiten aufgezeigt, sich mit CI wieder der Musik zu nähern.

Hilfreich dabei kann die Auswahl eines bekannten Musikstückes sein; die Beschränkung auf wenige, bzw. anfangs nur ein Instrument; Videos, die das Gehörte vor Augen führen, besser noch der Besuch von Konzerten wie sie z.B. Musikhochschulen anbieten, wo Studierende ihr ganz persönliches Instrument vorstellen. Und natürlich: Üben, Üben,Üben.

Am Schluß ermunterte Herr Roder die Teilnehmer, selber ein Instrument zur Hand zu nehmen.

Jörn Paland

Hinweis: Dieser Workshop wurde unterstützt von der IKK und der Firma Cochlear

Bremer Ratskellerführung

Bremer Ratskellerführung am 23.2.2019

Als wir die Organisation der Ratskellerführung mit einer Weinprobe in Bremen (vor der Mitgliederversammlung) übernehmen, konnten wir nicht ahnen, dass viele Mitglieder und Begleitpersonen grosses Interesse hatten. Gleich 33 Teilnehmer trafen sich um 11 Uhr und es wurde noch schnell ein Gruppenbild vor den Bremer Stadtmusikanten gemacht. Das durfte natürlich nicht fehlen!

Bevor es richtig losgeht….
Foto: Haake

Geschichtlicher Hintergrund und Erlebnis

Das Bremer Rathaus wurde 1405 errichtet und wurde mittlerweile mit seinem Ratskeller vom UNESCO zum Welterbe ernannt.

Der Bremer Ratskeller führt ausschließlich Weine aus den 13 deutschen Weinanbaugebieten in seinem Besitz. Ein großartiger Kollege aus dem Ratskeller führte die Teilnehmer mit witzigen Anekdoten und interessanten Informationen zum Wein durch die unterirdischen Kellergewölben. Dank der mobilen FM-Anlage konnte selbst der Letzte in der langen “Schlange” noch den Erzählungen gut lauschen. Das war echt faszinierend und auch eine große Herausforderung für den “Weinexperten”, die er mit Bravour meisterte.

Seine ruhige Art und angenehm laute Stimme half ihm dabei, sowie eine weitere Kollegin beim Wein ausschenken.
Selbst der Ratskellermeister Karl-Josef Krötz war kurz zugegen. Später ging es noch weiter im Keller bis vor die Schatzkammer, zu dem nur der Bürgermeister und der Ratskellermeister einen Schlüssel haben.

Raritäten in der Schatzkammer

In der Schatzkammer werden alle herausragenden Flaschenweine aller Jahrgänge aufbewahrt, der älteste trinkbare Flaschenwein ist der Rüdesheimer Apostelwein aus dem Jahr 1727. Vor kurzem wurde eine Flasche davon für 1500 Euro verkauft. Je älter, desto teuer, gilt nicht unbedingt. Eher: Je seltener, desto wertvoller.

Abschlußerlebnis

Zum Schluß ging es in den Rosékeller, wo dort die ältesten und wertvollsten Fassweine Deutschlands im Kerzenlicht ruhen und schon beim Eintreten nimmt man den schweren süßlichen Weingeruch wahr. An der Stirnseite lagert der älteste Wein des Ratskellers, der berühmte Rüdesheimer Wein von 1653, der gleichzeitig der älteste Fasswein Deutschlands ist.















Es war eine sehr spannende Führung durch den Bremer Ratskeller, die wir alle sehr genossen haben. Anschließend ging es zurück zum IC-Hotel zur Mitgliederversammlung, wo der zweite Teil des Tages begann.

Ein grosses DANKESCHÖN dafür sagen Katrin und Elmar!